In Frankfurt fand die zweite HLS Cloud Conference, diesmal zum Thema “Virtuelle Realität – Abtauchen war nie einfacher” statt. Gastgeber war die TK Hessen und die Hessische Landesstelle für Suchtfragen e.V. . Hier meine Gedanken im Nachgang zu der Veranstaltung.

Virtuelle Realität – Abtauchen war nie einfacher

Warum schreibe ich etwas über diese Veranstaltung? Ich finde sie ist in ihrer Form einmalig. Neben Fachvorträgen und Workshops, wurde der Tag durch Science Slammer und eine offene Fish Bowl Diskussion lebendig gemacht. Diese Mischung ist spannend und in einem hohem Maße unterhaltsam. Fragen aus dem Publikum konnten per Twitter gestellt werden. Das Ganze wurde dann auch noch von Johannes Mirus und Sascha Förster, den Jungs von Bonn.digital moderiert.  Kurzum es war ein richtig toller und erfrischend lehrreicher Tag.

Was war los auf der HLS Cloud Conference 2017. Schaut hier…

 

Virtual Reality im Bildungskontext

Ich kann Euch nicht über alle Vorträge etwas schreiben, da ich selber mit dem Workshop “Virtual Reality im Bildungskontext” am Start war. Eine gute Übersicht über die Veranstaltung findet ihr hier. Mir geht es in diesem Artikel eher um das Thema an sich. Was kann Virtual Reality (VR) für das Lernen, Lehren und Unterhalten unserer Kindern bewirken – und was nicht?

Was bringt Virtuelle Realität für unsere Kinder? Und was nicht?

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass – egal wie Du oder ich das finden – VR ist der nächste Schritt in der digitalen Kommunikation. Dieser Punkt wird aus meiner Sicht dann eintreten, wenn nicht nur die teuren Flagschiffe der Smartphonehersteller entsprechend potente Geräte liefern und vor allem dann, wenn die VR-Brillen günstiger werden.

Das heißt natürlich nicht, dass wir das alles mitmachen müssen was so kommt. Ich weiß nicht, wer von Euch eine VR-Brille einmal auf hatte und eine Experience (VR-Sitzung) mitgemacht hat? Ich habe meine erste Erfahrung auf dem Nachhaltigkeits Barcamp in Bonn gemacht. Dort hatte die Vereinten Nationen VR-Brillen dabei und stellten verschiedene Dokumentationsfilme vor. Ich habe mich für einen Film über Sierra Leone entschieden. In dem 9-minütigen Beitrag konnte ich mir die Folgen von Krieg und Vertreibung ansehen. Wobei ansehen eine maßlose Untertreibung ist. Ich war dabei! Ich ging durch die verwüsteten Straßenzüge. Ich stand mitten auf einem Friedhof. Diese Eindrücklichkeit von Erleben habe ich so noch nicht gekannt.

Virtual Reality als Chance

Sollen Kinder in die Virtual Reality abtauchen? Von mir ein klares: JEIN! Wir sollten an der Stelle sehr vorsichtig und gewissenhaft vorgehen. Meine Haltung ist, dass ein Zeitpunkt um die 5./6. Klasse herum geeignet ist, um erste begleitete Berührungen mit dem Thema zu machen. Vorher brauchen Kinder vor allem haptisches Lernen und einen gut trainierte Digitale Balance. Dann kann Virtual Reality jedoch eine Chance sein. Der Erdkundeunterricht wird ungleich spannender, wenn ich mir z.B.eine Karte des Colosseums in Rom nicht nur anschauen, sondern es tatsächlich begehen kann.

Andere Anwendungsfelder sind u.a. die Biologie. Ich kann in den Körper eines Menschen schauen und mir dortige Prozesse ansehen. Klassenexpedition werden quasi nach überall hin möglich, ohne dass ich den Klassenraum verlassen muss. Auch Kinder aus einkommensschwachen Familien habe so die Chance an Forschungsfahrten teilzunehmen. Die Schule wird dadurch lebendiger. Lernen bekommt einen anderen – für Kinder vielleicht greifbareren – Bezug. Das kann Lust auf Lernen machen.

Ich halte die VR und AR für die nächsten großen Schritte in der digitalisierten Gesellschaft. Wir werden uns darauf einstellen, dass unsere Realität erweitert werden wird.

Virtual Reality als Gefahr

Ich kenne kein Medium, dass so ganzheitlich die Sinne anspricht. Ich sehe das durchaus kritisch. Es fühlt sich an, als seist du in der Session. Die Vermischung zwischen virtueller und analoger Realität werden immer fließender. Sie überschneiden sich sogar. Schon heute müssen wir im therapeutischen und pädagogischen Sektor laut mitdenken, wenn es um die Fragen geht, was mit Menschen passieren kann, die zu lange in der VR versinken. Zwei Faktoren sind im Bezug auf virtuelle Welten und problematisches Verhalten besonders zu nennen:

  • time sink (verzerrte Zeitwahrnehmung)
  • Immersion (Zurücktreten von realen Erlebnissen)

Beide Faktoren begünstigt VR in einem extrem hohem Maße. Unser “Ich” wird durch VR in einer bislang noch nicht da gewesenen Form virtueller. Es wird mehr und mehr entspersonalisiert. Wir müssen VR dadurch nicht grundsätzlich ablehnen, wir haben jedoch die Verantwortung – mehr denn je – für unsere digitale Balance zu sorgen.

Digital ist cool. Analog erst recht.

Ihr habt Fragen, Ideen, Anregungen zu neuen Themen? Gerne! Lasst mal hören…