Am 27. April war ich bei der Fachtagung “Besondere Förderung” der ASB Lehrerkooperative. Dort habe ich gemeinsam mit Erzieherinnen und Erziehern über Digitale Grenzen in der pädagogischen Arbeit in der Kita gesprochen.

Was können für unsere Kinder digitale Grenzen sein? Gibt es die überhaupt?

AUF SPON erschien ein interessanter Artikel von Michael Schulte-Markwort zur digitalen Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen (den gesamten Artikel findet ihr hier). Dort vertritt er zum Beispiel die These, dass es Abhängigkeiten von Sozialen Medien überhaupt nicht gibt. Auch sagt er, dass der (exzessive) Gebrauch von digitalen Medien eigentlich nichts anderes ist, als die oppositionsbildenden Jugendgebaren, wie sie in allen Zeiten vorkam. Durchaus ein streitbarer, aber total spannender Ansatz, der – das finde ich daran gut – den Druck von den Eltern nimmt. Von ihm gibt es auch ein angenehm kurzweiliges Buch “Kindersorgen”*, das nicht so mit dem Ratgeber-Hammer um die Ecke kommt. (* Wir haben hier keine Affiliate-Links oder so. Nur einen Hinweis in eigener Sache: Kauft, wenn möglich, beim Buchladen Eures Vertrauens in eurer Nähe.)

Hören wir auf unseren Kindern Probleme einzureden.

Michael Schulte-Markwort

Digitale Grenzen für Kinder ist vor allem eine Frage des Mehrwerts.

Wir können uns hier lang und breit über Sinn und Unsinn von digitalen Medien in Kinderhänden austauschen. Dieses ganze, große Thema möchte ich mit euch auf eine Frage runterbrechen, mit der ihr für Euch entscheiden könnt, ob der digitale Inhalt / das digitale Medium sinnvoll ist.

Hat das digitale für mein Kind einen Mehrwert?

Merkt Ihr Euch das und filtert den Einsatz von digitalen Medien nach dieser Schablone, dann seid ihr aus meiner Sicht schon ganz weit vorne.

Ich möchte Euch das an einem einfachen Beispiel verdeutlichen. Oben seht ihr eine “pädagogisch wertvolle” Kinder-App. Ja, genau. Ihr seht richtig. Aufgabe ist es verschiedene Formen in die entsprechende Passung zu bringen. Das Ganze geschieht mit Wischen auf dem Tablet oder Smartphone. Der ganze Spaß kostet dann auch noch ein paar Euro im AppStore. Hat die oben exemplarisch gezeigte App einen Mehrwert für Kinder? Kann die digitale Anwendung etwas, was analog nicht, oder nicht in der Form darzustellen ist?

Von mir ein deutliches: Nein! Diese App braucht kein Kind und auch kein Erwachsener? Ihr findet mit ganz großer Sicherheit in jedem Kinderzimmer eine der hier oben abgebildeten Versionen dieses Spiels in analog. Selbst wenn ihr ein solches Spiel wirklich nicht am Start haben solltet, bastelt euch, z.B. mit einem Schuhkarton einfach selber eins.

Digital muss einen Mehrwert haben. Sonst ist es Quatsch!

Ferner sollten digitale Anwendung nicht als Ersatz für …

  • soziale Beziehungen
  • Lernen in der realen Welt
  • Verantwortung

sein.

Instrumentalisiert digitale Medien nicht, dann habt ihr später auch keinen Stress damit, eure Kinder davon zu lösen. So könnte man das einfach und platt ausdrücke.

Weitere Punkte helfen Euch, die digitalen Grenzen für euer Kind zu spüren.

Digital mit Mehrwert

Es gibt durchaus Einsatzmöglichkeiten von digitalen Medien mit Kindern. Auch, oder erst Recht in der Kita. Aus meiner Sicht eignen sie sich hervorragend, um …

  • Malen
  • Fotografieren
  • Collagen
  • Videos
  • analog /digital Spiele (z.B. Tablet-Fangen)
  • Coden

zu fördern. Wichtig ist dabei, dass Kinder das Endgeräte auch selber in der Hand halten und bedienen (lernen) dürfen. Klingt logisch. Ist es nach meiner Praxiserfahrung leider nicht immer.

“entweder oder” vs. “sowohl als auch”

Wenn über digitale Medien in der Öffentlichkeit diskutiert wird, habe ich das Gefühl, dass die Fachleute viel zu schnell in das so wunderbar einfache Schwarz-Weiß-Denken verfallen. “Tablets für Kinder sind schlecht, weil sie dann immer nur damit spielen und kein Buch mehr in die Hand nehmen … nicht mehr draußen spielen … usw.” Da fängt für mich schon die erste Fehlannahme an. Vor diesem Hintergrund habe ich mich im Deutschlandfunk in der Sendung “Komm, lass uns wischen – Medienkonsum von Kleinkindern” mit Prof. Büsching im Zusammenhang mit der BLIKK-Studie kontrovers ausgetauscht.

Digitale Medien gehören zur Lebensrealität unsere Kinder. Lebt damit.

Kinder spielen nicht nur am Tablet oder sind immer nur im Wald. Beides geht. Sogar gleichzeitig. Voraussetzung dafür ist ein medienbewusster Umgang von der ganzen Familie. Klar ist aber auch, dass digitale Medien (so wie andere Spiel-Reize auch) immer in einem ausgewogenen Maß angeboten werden. Schön wäre es, wenn das Kind möglichst früh und selbstbestimmt (mit)entscheiden kann, wie es was gerade spielen möchte.

Qualität vs. Quantität

Ein weiterer Punkt, der uns hilft, die digitalen Grenzen für unsere Kinder zu finden, ist eher inhaltlicher Natur. Vielmehr als Zeitangaben, wie von den Kollegen von Schau hin! sollte es vielmehr darum gehen, WAS wir in dieser Zeit so machen. Zeitangaben taugen lediglich als grobe Orientierung.

Online-Zeit ist nicht gleich Online-Zeit. Wir sollten weg von einer quantitativen Sichtweise, hin zu einer qualitativen kommen.

Digital hat Grenzen. Das stimmt. Wie übrigens ganz viele Dinge im Leben. Digital hat aber auch Chancen. Die sollten wir gemeinsam mit unseren Kindern nutzen.

Ich habe eine kleine Podcast-Episode zu diesem Thema gemacht. Wenn ihr Lust habt, hört gerne mal rein.

Ihr habt Lust auf weitere Podcasts? Dann ruft mir das gerne hier zu. Wir probieren dieses Format gerade mit ganz viel Begeisterug für uns aus.