eSports – ist das jetzt Sport oder kann das weg?

 

Wir freuen uns, dass Yvonne Wagner mit ihren Gastbeitrag den Scheinwerfer auf das Phänomen eSports und die damit verbundenen Fragen an die Medienkompetenz geworfen hat.

Kleine Einleitung … Was ist eigentlich eSports? und was soll das?

Nach Angaben des eSport-Bundes Deutschland (ESBD) begeistern sich bundesweit knapp drei Millionen Menschen für virtuelle Sport- und Strategiespiele. Kurz: für eSport. Beim Blick auf die stetig wachsende Computerspielbranche ist zu erwarten, dass sich dieser Aufwärtstrend auch bei eSport fortsetzt. Die eSport-Bewegung selbst erscheint indes nicht mehr als Trend, sondern viel mehr als längst etabliert: Jugendliche sind sofort im Thema, fragt man sie nach Computerspielen, wie etwa League of Legends oder FIFA. In vielen Familien löst die eSport-Begeisterung der Kids allerdings heiße Diskussionen aus, weil sich mancher Sprössling vor Spielfreude kaum noch vom PC oder der Konsole lösen mag. Starken Rückenwind haben die eSport-Enthusiasten im vorigen Jahr wiederum von höchster Stelle erhalten: Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag festgelegt, dass eSport als Sportart anzuerkennen sei. Seit dies niedergeschrieben ist, rankt sich um das Thema eine gesamtgesellschaftliche Debatte.

eSports ist kein Sport, weil sich die Spieler nicht körperlich bewegen? Wieso ist dann Schach als Sportart anerkannt?

Eine entscheidende Fragestellung scheint dabei aber völlig außer Acht geraten zu sein:

Wie begleiten wir junge Menschen auf dem Weg zum eSport – sowohl auf Freizeit- als auch auf Leistungsebene? Will sich eine Gesellschaft auf den Weg machen eSport im Breiten- oder Spitzensport anzuerkennen, verursacht sie damit nämlich nicht nur leuchtende Augen bei Kindern und Jugendlichen, die sich zunächst noch unreflektiert auf hemmungsloses “Daddeln” freuen. Sie geht auch die Verpflichtung ein, Familien zu unterstützen, ihre digitale Balance zu halten – ein Dasein, in dem digitale und analoge Welten ausgewogen zueinander stehen.

Grundschüler wachsen als “Digital Natives” auf

Das ist keine leichte Aufgabe, denn bereits Grundschüler lieben es, ihre Zeit mit dem Spielen an der Konsole zu verbringen. Cool ist, wer geschickt mit dem Controller hantiert. Welches Kind würde da nicht Zeit investieren wollen, wenn es Spaß an der Sache hat und damit das eigene Image im Freundeskreis aufpoliert? Die Leidenschaft für das Computerspiel darf aber nicht darin münden, dass sich aus motivierten eSportlern Couch-Potatoes entwickeln, die irgendwann mit Übergewicht oder gegen Mediensucht kämpfen müssen. Um dies zu verhindern, brauchen Kinder eine gute Medienkompetenz. Und damit ist nicht gemeint, dass sie wissen, wie sie im Spiel den nächsten Level erreichen oder aus welchem Winkel das beste Selfie entsteht. Diese Kompetenzen sind, besonders aus der Perspektive des Kindes, zwar wertvoll und wichtig, sie benötigen aber einen Rahmen: Es geht darum, dass Kinder und Jugendliche lernen, digitale Medien bewusst einzusetzen – sei es, um Spaß zu haben, zu lernen oder um mit anderen zu kommunizieren – oder sie bewusst wegzulassen.

Da Kinder in Deutschland heute als “Digital Natives” aufwachsen – sie kennen keine Welt, ohne Internet oder digitale Medien – brauchen sie auch frühzeitig Hilfe dabei, wie sie sich in der digitalen Welt orientieren. Denn, so beschreibt es etwa das Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration (HMSI):ein kompetenter und bewusster Umgang mit digitalen Medien ist nicht selbstverständlich. Medienkompetenz ist “Digital Natives” nicht in die Wiege gelegt. Es ist deshalb wichtig vielfältige Angebote zu schaffen, die junge Menschen konsequent von der Kita bis zum jungen Erwachsenenalter erreichen, damit “digitale Balance” nicht zu einer Worthülse verkommt, sondern zu einer Lebenseinstellung für Sport und Freizeit wird.

Medienbildung von der Kita bis zum Abitur

Das kann bereits im Kindergarten beginnen, etwa mit einem Projekt wie DigiKids. Das Modellvorhaben der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen ist ein Medienkompetenzprojekt für Kinder ab vier Jahren, in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse. In Frankfurt am Main kooperiert DigiKids bereits mit Kita Frankfurt, dem städtischen Träger von rund 150 Kitas. Das Projektmotto ist: “Digital ist cool – analog erst recht”. Mit DigiKids probieren Kinder, pädagogische Fachkräfte und Eltern digitale Medien aus, setzen sie kreativ sowie zielgerichtet ein und sie schalten sie auch gemeinsam wieder ab.

Diese Medienbildung muss sich konsequent fortsetzen. Begrüßenswert ist daher eine Initiative des HMSI: Beim Hessentag 2018 in Korbach vereinbarten das HMSI und die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, dass sie auf dem Gebiet der Medienkompetenzvermittlung zusammenarbeiten wollen. In der Rahmenvereinbarung geht es zwar vorrangig darum, dass digitale Medien zu Bildungszwecken sinnvoll eingesetzt werden sollen. Genau diese Auseinandersetzung, auch auf verschiedenen Ebenen, ist es aber, die Usern hilft, digitale Medien gezielt und vorteilhaft zu nutzen.

Medienkompetenz ist eine Lebenskompetenz – auch für Erwachsene

Wer eine gute Medienkompetenz hat, geht bewusst mit digitalen Medien um. Er weiß, weshalb er gerade jetzt zum Laptop oder zum Smartphone greift und er weiß, dass es auch wichtig ist, vom Gerät abzulassen, um sozialen, körperlichen und geistigen Ausgleich zu erleben. Medienkompetenz bedeutet, zu verstehen und umzusetzen, dass digitale Medien nur ein Mittel zum Zweck sind. Sie dürfen nicht der Lebensmittelpunkt eines Menschen sein, der es dem Medium überlässt, den Tagesablauf zu kontrollieren.

Mit einer gut ausgeprägten Medienkompetenz sind Kinder und Jugendliche mit einer Lebenskompetenz ausgestattet, die sie auch für schulische und berufliche Anforderungen rüstet – in einer Welt, die ohne digitale Innovationen nicht mehr auskommt. Gefragt sind dabei natürlich auch Eltern und Erzieher, die selbst sehr bewusst mit digitalen Medien umgehen. Zum Beispiel, indem Sie bei Gesprächen den Augenkontakt zu ihrem Gegenüber halten und nicht dauernd aufs Handy schielen oder beim Abendessen mit der Familie die E-Mails checken. Kinder brauchen also erwachsene Vorbilder, die selbst medienkompetent auftreten.

eSportler brauchen Ruhe und Bewegung

Mit einer solchen erworbenen Lebenskompetenz können eSport, oder auch andere digitale Angebote, einfach ein Bestandteil des Lebens sein. Wer gelernt hat, digitale Medien kompetent einzusetzen, der versteht sofort, dass auch ein professioneller eLeistungssportler nicht täglich zwölf Stunden spielen kann. Genauso wenig, wie ein Schwimmer zwölf Stunden am Tag im Wasser wäre, um schneller zu schwimmen. Ein leistungsorientiertes Training braucht Erholungsphasen sowie gezielte und variable Trainingsreize – auch beim eSport. So kann ein eSportler auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn er seinem Gehirn Ruhephasen gestattet und ein Ausgleichstraining absolviert, um etwa Konzentrationsschwächen oder Rückenbeschwerden vorzubeugen.Ganz abgesehen von einer ausgewogenen, nährstoffreichen Ernährung und einem gesunden Lebenswandel.

Diese Haltung teilt der ESBD und will den jungen eSportlern dieses Bewusstsein mit auf den Weg geben. Damit dies beim Nachwuchs ankommt, werden qualifizierte Trainer benötigt, für deren Ausbildung der Verband jüngst ein spezielles Konzept erarbeitet hat, das es nun umzusetzen gilt. Es ist gut, das wichtige Player aus der eSport-Szene sich auch der Herausforderungen bewusst sind, die sich durch diese Bewegung ergeben. Vor allem auch mit Blick auf eine in 2018 veröffentlichte Studie der Weltgesundheitsorganisation, in der es heißt, dass sich rund 42 Prozent der Erwachsenen in Deutschland zu wenig bewegen. eSport und andere digitale Angebote können eine solche Entwicklung begünstigen. Mit einer gezielt aufgebauten Medienkompetenz indes, ist eine wichtige Basis gelegt, die genau solchen Tendenzen entgegentritt.

 

 

 

zur Autorin …

Yvonne Wagner ist Journalistin, Autorin und Pressereferentin der Techniker Hessen. Ihre Bücher Fitnessguide für Manager, Workouts für Faule und Kampfgeist behandeln die Themen Bewegung, Sport und innere Ausgeglichenheit. Aktuelle Inhaltsschwerpunkte sind Medienkompetenz in Prävention und Selbsthilfe.