Kinder haben Rechte. Auch im Netz.

Am 07. Dezember fand unser – erstes – Webinar Privatsphäre und Rechte von Kindern im Netz statt. Anstoß war die Kampagne des Deutschen Kinderhilfswerks. Die Rechte von Kinder in digitalen Welten sind spätestens seit der Vielzahl von Kinderfotos auf Facebook, Instagram und WhatsApp ein Thema. Wer hat das Recht an seinem Bild? Was können wir Erwachsenen tun, um unseren Kindern bei der Durchsetzung ihres Rechts zu helfen? Was müssen wir sogar an der Stelle tun.

Kinder haben Rechte. Auch im Netz.

Um eines direkt vorweg zu nehmen. Das Thema Kinderfotos in Sozialen Netzwerken ja oder nein möchte ich hier an dieser Stelle gar nicht anstoßen. Dieses Thema hätte den Stoff für mindestens einen weiteren Blog-Beitrag. Die Intention, dass wir besondere Momente mit unseren Kindern, mit der Familie und mit Freunden teilen wollen, kann ich – aus eigener Erfahrung – sehr gut nachvollziehen. Digital vernetzte Kommunikation gehört zu unserer Gesellschaft dazu, ebenso wie unsere Kinder das tun. Wichtig ist, und das sollten wir uns bewusst machen, dass wir uns stets im Hinterkopf behalten, dass wir mit jedem Like, mit jedem Post, mit jedem Bild einen digitalen Fußabdruck unserer Kinder hinterlassen. Für uns mag das OK sein. Doch haben wir unsere Kinder vorher um Erlaubnis gefragt? Trauen wir unseren Kindern ernsthaft zu, dass sie die Tragweite dieser Entscheidung erfassen und einschätzen können?

Kinder sind Teil unserer Gesellschaft – auch der digitalen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie wir unsere Kinder an der digitalen Gesellschaft Anteil haben lassen.

Babys und Kleinkinder sind in den Sozialen Medien präsent ohne es zu wollen

Klar muss uns sein, bei jedem Kinderfoto machen wir das Kind mehr oder minder digital prominent. Das Ganze geschieht meist ohne Einverständnis der  eigentlichen Protagonisten.

Kinder haben ein Recht daran beteiligt zu werden, wenn ihr Bildmaterial veröffentlicht wird. Hier sind die Schutzrechte derer in Gefahr, die eigentlich unsere Hilfe bei der Wahrnehmung ihrer Rechte dringend brauchen. Die geposteten Kinderbilder sind frei zugänglich und können so leicht in die falschen Hände geraten.

Kinder können bis zu einem gewissen Alter gar nicht einschätzen, was es bedeutet, wenn Bilder ins Netz gestellt werden. Viele Erwachsene leider auch nicht.

Hier findet ihr das Video zu unserem Webinar.

Wie gehe ich denn nun mit Kinderfotos um?

Neben der Entscheidung, ob Kinderfotos überhaupt etwas in Sozialen Netzwerken zu suchen haben, zeigen wir hier Aspekte auf, wie mit solchen Bildern umgegangen werden kann:

Bezieh dein Kind ein

Bespreche den Umgang mit Fotos innerhalb der Familie mit den Kindern. Das geht alle etwas an. Die Erwachsenen, die großen Geschwister, Oma und Opa, Tanten und Onkel und natürlich die Kinder selbst. Fragt Eure Kinder nach der Zustimmung. Erklärt eure Gründe. Aber: Wie das so ist mit dem Fragen. Akzeptiert auch ein Nein als Antwort.

Keine Preisgabe von personenbezogenen Daten des Kindes im Zusammenhang mit einem Foto

Postet niemals den vollständigen Namen des Kindes. Achtet bei den Bildern darauf, dass keine Gebäude des alltäglichen Lebens (zu Hause, Kita, Schule, Lieblings-Spielplatz) als Ganzes zu sehen sind.

Überprüft regelmäßig die Sicherheitseinstellungen in Sozialen Netzwerken

Die meisten Voreinstellungen bei Instagram und Co. sind recht freizügig. Schränkt über die Einstellungen den Empfängerkreis ein. Kontrolliert regelmäßig eure Einstellungen, diese können sich – z.B. mit dem nächsten Update – im Hintergrund wieder ändern.

Keine Fotos in peinlichen, unangenehmen oder unangemessenen situationen

Schaut danach, dass die Kinder auf dem Bild immer bekleidet sind. Was heute für uns Erwachsenen lustig erscheint, ist für die Kinder später vielleicht höchst unangenehm. Sind noch andere Kinder auf dem Bild? Dann holt die Einverständnisse der anderen Eltern ein.

Möchtet ihr vielleicht ein Foto von eurem ersten Besuch auf dem Töpfchen im Büroflur hängen sehen?

Ist das Foto in dieser form zwingend notwendig?

Bestimmt trifft die Rückenansicht eurer Kinder in vielen Fällen auch die gewünschte Aussage des Bildes. Vielleicht ist auch eine Detailaufnahme von z.B. Hand oder Fuß ausreichend, damit der Post seine Bedeutung bekommt. Legt ein Emoji über das Gesicht. Arbeitet mit Fotofiltern, um Gesichter zu verpixeln, oder unscharf darzustellen.

 

Und was jetzt? Fazit!

Ihr seid die Anwälte für eure Kinder in der digitalen Welt. Geht wertschätzend und sensibel mit der Privatsphäre und den Persönlichkeitsrechten eurer Kinder um. Dass es sie gibt, ist ein Privileg und hohes Gut, dass wir unbedingt hochhalten müssen.

Medienkompetente Kinder brauchen zunächst mal medienkompetente Erwachsene.

Und jetzt ihr…

Das Thema war interessant für Euch? Ihr habt Lust auch mal bei einem Webinar von DigiKids dabei zu sein? Kein Problem! Hier entlang…